
Im Rahmen eines Vertiefungsworkshops konnte ich mich näher mit der Traumtheorie C. G. Jungs auseinandersetzen. Einige der für mich wichtigsten Erkenntnisse will ich an dieser Stelle mosaikartig anführen.
Freuds Werk „Die Traumdeutung“ hat Jung sehr beeindruckte und im Jahr 1907 zur ersten persönlichen Begegnung mit dem um 19 Jahre älteren Sigmund Freud führte. Im Gegensatz zu einem kohärenten Gesamtwerk hat Jung allerdings seine Traumtheorie in mehreren Aufsätzen veröffentlicht, in denen er einige Thesen Freuds aufgreift bzw. anzweifelt und weiterentwickelt.
Der Traum ist für Jung nicht in erster Linie ein Mittel des Unbewussten, um die unterdrückte oder nicht ausgelebte Libido deutlich zu machen, sondern ganz allgemein die nächtliche Aufarbeitung von Alltagsproblemen, die er die „unbedeutenden “ Träume nannte, bis hin zu den „bedeutenden“, welchen sein Hauptinteresse galt.
Zu letzteren gehören auch die Wiederholungsträume, welche durch eine immer wiederkehrende psychische Situation hervorgerufen werden. Der Traum will dem Träumenden die Aufarbeitung dieser speziellen Situation ins Bewusstsein bringen und trägt zudem meistens auch schon Lösungsvorschläge in sich. Bei der Deutung dieser Träume muss tief in die Erinnerung gegriffen werden, denn Auslöser für das spezielle Problem und auch Grund für die speziellen Traumbilder dazu liegen meistens weit zurück.
In jedem Traum können archetypische Seelenbilder auftauchen, die dann zeigen, dass es sich um einen Traum von einiger Wichtigkeit handelt. Wenn das Unbewusste auf Bilder zurückgreift, die im Stammhirn lagern, also in jenem Gehirnabschnitt, in dem wir unsere gesamte phylogenetische Entwicklung verankert haben, so will uns dieser Traum etwas Grundsätzliches, fast Individuum-Übergreifendes mitteilen.
Statt eines Traumzensors und der Verdrängung betonte Jung die Notwendigkeit, zwischen den verschiedenen Teilen im Traum eine Verbindung herzustellen, um psychisches Wachstum zu fördern. Der Traum enthält eine Einschätzung über den Träumer – vor allem auch über Ungelebtes –, die mehr über ihn aussagt, als der Träumer in seinem bewussten Selbstverständnis von sich wahrnehmen kann.
Obwohl Freuds Traumtheorie eine großartige Denkleistung darstellt und die Kohärenz des Theoriegebäudes fasziniert, stellt für mich der Jung´sche Ansatz eine weitaus größere Hilfestellung für das Verständnis eigener Trauminhalte dar. Insbesondere Jungs Empfehlung, „den Kontext des Traumbildes anzureichern“ empfand ich bspw. durch die Einbeziehung von zwei - mich seit meiner Jugendzeit faszinierenden - Filmen (Zardoz, Solaris) als sehr hilfreich.

Im Rahmen einer LV haben wir uns mit dem faszinierend kohärenten Werk von S. Freud beschäftigt. Darauf aufbauend habe ich mich näher mit der Freud´schen Traumtheorie im Lichte der Neurowissenschaften befasst, woraus eine Seminararbeit entstanden ist, im Rahmen deren Erstellung ich eine ganze Menge Neues erfahren habe: Renommierte Neuropsychologen und Hirnforscher wie beispielsweise Mark Solms und der Exilwiener und Medizinnobelpreisträger Eric Kandel bauen an Brücken über den großen Graben, der die Psychoanalyse viele Jahre von der empirisch orientierten Naturwissenschaft trennte - dies im Rahmen einer neu entwickelten „Neuro-Psychoanalyse“, in der Freuds Modelle eine neue Würdigung erfahren. Am Beispiel von Freuds zentralen Thesen aus seinem Hauptwerk „Die Traumdeutung“, habe ich im Rahmen meiner Seminararbeit einige dieser neuen Erkenntnisse zusammengefasst.
Die Arbeit habe ich über den tollen Web 2.0 - Dienst Scribd veröffentlicht, eine Plattform zum Sammeln, Archivieren, Publizieren und Austauschen von Dokumenten jeder Art. Die publizierten Dokumente werden dabei via iPaper (einen Flash-basierten Dokumente-Viewer) in hervorragender Qualität angezeigt.
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